Bullen ficken Kühe und wieso gibt es eigentlich keine Intimföns?

7. Februar 2010 von Mo

Ein ereignisreicher Samstag und eine nicht minder erwähnenswerte Samsnacht liegen hinter mir.

Bereits am Vormittag bin ich nach München gefahren, um zusammen mit Menschen unterschiedlichster politischer Couleur gegen Krieg und die jährlich im Hotel ‘Bayerischer Hof’ stattfindende NATO-Sicherheitskonferenz zu demonstrieren. Bei regnerischem Wetter blieb die Beteiligung leider nur mäßig: etwa 2.000 Demonstranten zogen begleitet von einem massiven Polizeiaufgebot durch die Innenstadt. Alles verlief friedlich und mir sind keine nennenswerten Zwischenfälle bekannt. Auf dem Marienplatz habe ich dabei auch Markus getroffen, der anschließend noch viel zu viel Geld für Dinge ausgab, die er nicht braucht. ;)

Nach der Demo ging es direkt weiter ins Glockenbachviertel, wo ich mich mit dem lieben Muh getroffen und bei seiner Schwester zu Abend gegessen und getrunken habe. Von dort aus machten wir uns zu fortgeschrittener Stunde auf zum Muffatwerk, wo an diesem Abend der Starmelt Club mit einem sehenswerten Line-Up sein zweijähriges Bestehen feierte. Dank des freundlichen Angebots der mindestens genauso tollen wie unbekannten Leipziger Band ‘Live At Kalibou Beach’ haben wir uns sogar den Eintritt gespart. Deren Konzert war wirklich gut, genauso wie das anschließende DJ-Set der belgischen Indielektronik-Spezialisten ‘Goose’. Da haben der Indepent Jan und Manu ganz schön was verpasst. Eine kleine Annekdote soll hier auch nicht unerwähnt bleiben: da ich mir leider durch eine unachtsame Bewegung Alex’ Spezi über die Hose geschüttet hatte, war mein Schritt unangenehm feucht und sah äußerst unästhetisch aus. Daher war ich gezwungen unter akrobatischen Verrenkungen mithilfe des fest an der Wand installierten Händetrockners auf der Toilette zuerst meinen Schritt und dann auch noch meinen Hintern zu fönen, was zu großer Belustigung bei den vorbeikommenden Toilettengästen sorgte. Einige fielen auch sofort die Parallelen zu einem bekannten Gag von Mr. Bean auf. Allerdings hatte ich wesentlich weniger Platz, keinen Mülleimer als Hilfsmittel und signifikant stärkeren Publikumsverkehr, aber sei’s drum. Daher mein Tipp: wenn ihr mal etwas Aufmerksamkeit braucht und mit neuen Leuten (nicht nur Männer; mindestens 20% der Toilettengänger waren weiblich ;) ) ins Gespräch kommen wollt: föhnt euch in öffentlichen Toiletten halb auf dem Waschbecken kniend den Schritt! Nach Stunden im fiebrigen Wahn, getrieben von irren Bässen und haarsträubenden Synthies, machte ich mich gegen halb sechs Uhr morgens auf den Heimweg. Freundlicherweise (und weil er ohne seine verlorene Jacke wohl erbärmlich fror; wer eine Jacke zu viel hat, die er wohlmöglich sogar gestern aus dem Muffatwerk mitgenommen hat, soll sie ihm doch bitte zukommen lassen) hat mich Beli noch mit dem Taxi bis direkt vor den Hauptbahnhof kutschieren lassen.

Nach wohlverdientem nachmittäglichem Schlaf kann ich also nun auf einen gelungenen Abend zurückblicken, der gleichzeitig zum reinsten Bloggertreffen wurde. Ich freue mich schon auf das nächste Zusammentreffen mit allen, am besten aus musikalischem Anlaß.

Musikmensch

5. Februar 2010 von Mo

Mir fällt es wesentlich einfacher eine Beziehung zu Musik aufzubauen als zu einem Menschen. Es sollte viel mehr Menschen geben, die wie Lieder sind.

Frühlingserwachen

31. Januar 2010 von Mo

Es ist geschafft, die Facharbeit liegt hinter mir. Honigwarme Sonnenstrahlen fallen auf meine Hände. Ein neuer Lebensabschnitt läuft mir mit offenen Armen entgegen.

Jetzt heißt es Bewerbungen schreiben, endlich einen Laptop kaufen und den in zwei Wochen anstehenden geplant ungeplanten Deutschlandurlaub organisieren.

In mir keimt der erste Frühling. In mir erwacht das Leben.

Lebenskunst

23. Januar 2010 von Mo

‘Marie Luise’ hat mich mehr inspiriert, als ich dachte. Ich muss wieder öfter schreiben. Es tut so gut. Vielleicht ist es auch der Alkohol.

‘Mein Herz ist ständig beschäftigt, da muss doch auch meine Leber beschäftigt werden.’ – Marie Luise Fleißer in ‘Die Rückseite der Rechungen’ von Kerstin Specht

 

Ich spüre schon, wenn ich zur Tür hereintrete, wie ich mit meiner Jacke auch all die Gedanken ablege, bevor ich sie in die Form von Buchstaben und Worten zwängen kann. Was soll dieses Leben denn sein? Völlig überbewertet.

Eine Talkshow mit lauter Betrunkenen Gästen. Und einen Tag im Affengehege. Beides möchte ich noch inszenieren. Bald.

Vergangenheitsbewältigung – ‘Über die Opfer des Gucci-Fetischismus’

22. Januar 2010 von Mo

Beim Durchstöbern meiner Festplatte habe ich ein vergessenes Relikt vergangener Zeiten entdeckt: einen Artikel, den ich in der Mittelstufe für eine geplante Schülerzeitung schrieb, die leider (oder glücklicherweiße ;) ) nie verwirklicht wurde. Dieses Fundstück möchte ich euch natürlich nicht vorenthalten. Es ist sehr lustig, sowas nach mittlerweile doch schon vier Jahren zu lesen.

Katja – ein Leben?

Über die Opfer des Gucci – Fetischismus

 

Sie heißen Katja. Oder Beatrice. Oder auch Désirée. Sie wollen Kati, Beci oder Désie genannt werden, wahlweise auch Désy. Sie scheinen überdurchschnittlich klein zu sein. Oder überdurchschnittlich groß. Manchmal sogar überdurchschnittlich normal groß. Auf keinen Fall jedoch überdurchschnittlich normal. Sie sind besser. Sie befinden sich an der Spitze der Gesellschaft. Zumindest ihrer Gesellschaft.

Sie sind überall anzutreffen. Meist ohne Vorwarnung. Sie fallen im Gang über einen her, beginnen ein „Gespräch“, erkundigen sich was man am vergangenen Wochenende gemacht hat. Und mit wem? Dann verschwinden sie ebenso rasch, wie sie gekommen sind.

Sie begegnen einem ausnahmslos mit einem Gesichtsausdruck, den man als ein Lächeln definieren kann, aber nicht sollte. Ihr Lachen ist perfekt. Zu perfekt. Viel zu perfekt. Sie sind im Allgemeinen unnatürlich perfekt, in jeder Hinsicht. Sie benutzen nur Designerwaren und Markenprodukte: Designerkleidung, Designerschuhe, Designerhandtaschen, Markenlippenstifte, Markenschreibwaren, Markenahrung, Designerlächeln und auch Designerlachen. Und genau das macht sie so unheimlich.

Wer hat diese Wesen dazu gebracht ihr Lächeln und ihr Lachen gegen ein Designerlächeln und ein Designerlachen einzutauschen?

Die Medien? Die Werbung? Gar die Konzerne, die sich mit dem Verkauf von Designerwaren ein goldenes Designernäschen verdienen? Oder ist es vielleicht angeboren kein eigenes Lächeln und kein eigenes Lachen zu haben? Ist es möglicherweise eine Behinderung?

Wenn letzteres zutrifft, dann sind all die Katis, Becis und Désis wohl die Menschen, die mit ihrer Behinderung am besten von allen Menschen zu leben gelernt haben und verdienen unsere aufrichtige Anerkennung. Doch erscheint dies insgesamt unwahrscheinlich. Seine Behinderung als oberstes Lebensziel für alle anderen zu definieren und voll Abscheu auf alle „Gesunden“ herabzublicken erfordert einen starken Charakter, der bei ihnen kaum vorzufinden ist. Und ein hohes Maß an Skrupellosigkeit. Das ist schon eher vorhanden.

Die eigenen Designerwaren sind stets die besten und damit auch teuersten zurzeit auf dem Designermarkt erhältlichen. Ihre Gesellschaftsordnung baut scheinbar nur auf Designerwaren auf, materiellem Reichtum. Ganz oben stehen grundsätzlich sie selbst. Sie und nur sie. Keine andere. Keine Rivalin, keine Konkurrentin, keine Freundin, keine Schwester. Die folgen erst danach in individueller Reihenfolge, vielleicht dem letzten Rest Individualität, der ihnen geblieben ist. Dann kommen die Neutralen. Durchschnittsmenschen. Halbwegs „gut“ gekleidet, halbwegs teuer gekleidet, halbwegs gut in der Schule, halbwegs Menschen. Die untersten Ränge belegen meistens die Gutmütigen, die Edlen, die Intellektuellen. Zum Intellekt finden sie meist keinen Zugang. Zu kompliziert. Wer ihn versteht ist langweilig, spießig, „uncool“ oder auch einfach nur dumm. Mit ihm kann man auf keine Partys gehen. Zu peinlich. Er könnte ja den Mund aufmachen. Das würde ihn verraten. Äußerlich könnte man ihn ja noch tarnen, den Intellektuellen. Aber seine Sprache würde ihn verraten. Auf der Stelle. Sie selbst versuchen sich möglicherweise sogar zu bilden, nicht zu Intellektuellen zu werden, aber immerhin zu bilden. Aber nicht der Bildung wegen. Es ist halt grad „in“ als Frau berufstätig zu sein – selbst sie haben erkannt dass dafür ein Mindestmaß an Bildung vonnöten ist – am besten Beruf und Familie zu vereinen. Sicher ist es richtig das Frauen einen Beruf ausüben, dem will ich hier nicht wiedersprechen, aus diesem Alter ist die Welt glücklicherweise schon raus, aber ob es richtig ist, nur um anderen zu demonstrieren, dass es richtig ist als Frau berufstätig zu sein, berufstätig zu sein, scheint mir fragwürdig. Sie pinnen sich ein Porträtfoto von Eva Hermann auf ihre Dartscheibe. „Pseudo-Emanzen“ wäre ein Wort das sie vielleicht ganz gut beschreibt. Sie spielen nicht oft Dart. Sie sind oft nicht daheim, sondern auf Partys. Irgendwo, bei Irgendjemand, irgendeiner anderen Kati, Beci oder Dési. Oder in Clubs. Alter? Spielt keine Rolle. Es ist ohnehin nicht auf den ersten Blick zu erkennen. Auch nicht auf den zweiten. Mittels einer medizinischen Untersuchung vielleicht. Aber niemand geht in einen Club, bei dem man sich vor dem Betreten medizinisch untersuchen lassen muss, nicht mal Intellektuelle. Investitionen in Markenkosmetika zahlen sich schließlich doch aus. Freundlich sind sie ja. Man braucht schon ein geschultes Auge und ein abgeschlossenes Psychologiestudium, um es ihnen anzusehen, wenn sie etwas oder jemanden, meistens jemanden, nicht ausstehen können. Offenheit ist nicht gerade ihre Stärke. In manchen Momenten ihrer Unachtsamkeit kann man sie dennoch den ein oder anderen angewiderten Blick auf die ein oder andere Person werfen sehen. Entweder auf Intellektuelle, doch dies eher seltener, denn Mitleid ist auch grade „in“ und lässt solche, die ihre möglicherweise doch vorhandene Verachtung gegenüber jemanden aus der Gruppe des „Pöbels“ versehentlich durchscheinen lassen, in sehr schlechtem Licht dastehen. „Heuchlerinnen“ ist auch irgendwie passend, aber nicht treffend. Oder, wesentlich häufiger, auf Rivalinnen, wobei hier manchmal auch die Absicht dahinter steckt, andere die eigene Abscheu bemerken zu lassen und damit die neue Markenkleidung der Rivalin nach allen Regeln der Kunst zu zerpflücken, bis diese wortwörtlich nackt dasteht. Doch solch berechnendes Kalkül, das schließlich einer Strategie gleichkommt, legt ein wenig Intellekt zu Grunde. Dieser taktische Zug, so gut er auch sein mag, ist von ihnen demnach mit Vorsicht zu genießen, da man ihnen allzu leicht einen Strick daraus drehen könnte.

Es scheint eine Verbindung zu sein, zwischen Behinderung, eher einer Art Zwang, und starker Beeinflussung durch die Medien, speziell durch die Werbung, sowie durch Prominente, die ja in gewisser Weise auch ein Medium darstellen, und damit letztendlich durch die Konzerne. Ob diese „Katiemanie“, der Zwang besser zu sein, schöner zu sein, (wenn es die Situation erfordert sogar) klüger zu sein, erwachsener zu sein als andere, „heilbar“ ist, ist jetzt die letzte noch offene Frage. Sie vergeht meistens von selbst, mit der Zeit, mit den Erfahrungen. Rentnerinnen haben seltenst bis nie „Katiemanie“.„Heilbar“ wohl kaum, wie auch, höchstens durch ein einschneidendes Erlebnis, ein Bündel an Erfahrungen, dass sie wachrüttelt aus der Benommenheit oder sogar Ohnmacht ihn die sie versetzt wurden.

Die beste Beschreibung aller der „Katiemanie“ anheim gefallenen findet sich wohl in dem Song „Stupid Girls“ von Pink, einem Lied, bei dem das Verstehen des Textes den Hörgenuss noch um einiges steigert. Für einen Intellektuellen, versteht sich.

Das ernüchternde Resultat: Es wird immer Katies geben und das ist auch gut so, denn nur die Mannigfaltigkeit unserer Gesellschaft macht diese so interessant. Gäbe es keine Katies, wäre das Leben für mich doch ein ganzes Stück langweiliger. Gleiches gilt für die Katies selbst, die wohl ohne Intellektuelle, ein weitaus trostloseres Dasein fristen würden, als sie es ohne es zu bemerken sowieso schon tun.